Die Militzer Geheimnisse

Militsch, eine Stadt, die im Grenzgebiet zwischen Grosspolen und Schlesien liegt, knüpft für die Polen an die Fischteiche und die Sitze der oft seltenen Vogelarten. Nur die Einzelnen wissen, dass diese einzigartige Natur des Baritschbettes die Denkmäler der Vergangenheit verbirgt, die der Stolz der Stadt und der ganzen Region sind. Besonders bemerkenswert sind zwei Denkmäler: eine Burgwall gennant Hopfenberg und die inmitten der Bäume des Schlosskomplexes verborgenen mittelalterlichen Ruinen der Bischofsresidenz. Diese zwei befestigte, in der heutigen Militzer Landschaft sichtbare Objekte widerspiegeln die auf dem Gebiet der mittelalterlichen Kastellanei herrschenden Verhältnisse, deren Eigenart in der gleichzeitigen Machtsausübung von den zwei Kastellanen, des Herzogs und des Breslauer Domkapitels, bestanden hat.
Gleich diese Denkmäler, die nicht nur Quellen für die Rekonstruktion der ältesten Militzer Geschichte, sondern auch für die Widerherstellung der Besiedlungsprozessen im nördlichen Teil des Niederschlesiens wertvoll sind, wurden das Ziel der archäologischen Forschungen, die in Jahren 2003-2006 durch das Institut für Archäologie und Ethnologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Abteilung Wroc³aw geführt wurden. Man hat sie im Rahmen des Projektes: „Soziotopographie des lokalen Machtszentrums in dem Piastenstaat auf dem Militsch-Beispiel realisiert. Leiter des Projektes war Prof. Dr. Lech Leciejewicz.
Verlegen wir uns jetzt auf einen Moment in die Zeit des Mittelalters. Die damalige Bebauung von Militsch wurde auf den alten sandigen Flussbetten und den durch die zahlreichen Baritschflussarme umgebenen Flussinseln situiert. Dieses Zentrum hat am Handelsweg gelegen, der von Süden, aus Böhmen und Mähren in nördliche Richtung, nach Pommern geleitet hat. Die über Polen durchwandernden Kaufleute haben, stehend bei dem Übergang, am linken Baritsch Ufer, aus der Ferne die mit dem über 3 Meter hoch Holz-Erdwall umgefasste Festung gesehen, die damals zahlreiche, meistens sumpfige Wiesen beherrscht hat. Diese Festung war ein piastischer Burgwall, der bis unsere Zeit in gutem Zustand aufbewahrt ist. Gegenwärtig sieht man noch eine Erdhöhe gennant „Burgwall“, die immer noch die Wiesen und Felder des am rechten Ufer des Baritsches gelegenen Militsch beherrscht. Dieser Ort, als auch der in der nähe liegende Burgwall Kaszowo, oder ungefähr 50 km westlich gelegener Burgwall in S±dowel, wurde stark von der Vergangenheit gezeichnet, deswegen zieht die Aufmerksamkeit der zahlreichen Liebhaber der regionalen mittelalterlichen Geschichte. Die im Burgbereich aufbewahrten Kulturschichten sind für den Archäologen die grundlegende Informationsquelle über die vergangenen Jahrhunderte. In diesen Schichten, wie in einem Buch, lesen wir die Daten ab, die die Anfänge der Besiedlung, ihre Gestallt und ihre Wandlung betreffen. Die in ihnen vorkommenden Denkmäler: Keramikfragmente, Metallwaren oder Knochenfragmente zeugen von der Entwicklungsstufe der Gesellschaft, die auf diesem Gebiet gewohnt hat.
Während der Forschung hat man die Daten gewonnen, die die Geschichte Militsch in einem neuen Licht gestellt haben. In dem im östlichen Burgteil absteckten Schnitt wurden die Relikte des Erdwalles entdeckt, der durch die Rüstung aus den Eichenbalken verstärkt worden war. Dank den Analysen der aufbewahrten Holzfragmente wurde die Entstehungszeit der Befestigungen auf die Jahren nach 960 festgestellt. Die Enthüllung der Überresten des Walles im östlichen Burgteil hat nachzuweisen erlaubt, dass die aus dem 10. Jahrhundert stammende Festung eine andere Gestalt und andere Größe als die bis heute aufbewahrte alte Burg - Hopfenberg hatte. Die Befestigungslinie von dieser ältesten Anlage hat wahrscheinlich ein kleineres Gebiet umgeben. In dem nächsten Schnitt, der im westlichen Burgteil, ungefähr 30 Meter von dem Wall gesetzt wurde, hat im Gang der Exploration eine interessante Entdeckung stattgefunden. In der niedrigsten Siedlungsstufe hat ein Fragment der Steinkonstruktion 4,5 Meter lang und von 1,7 bis 2,5 breit vorkommen. Auf Grund der aufbewahrten Anordnung der Steinen wurde eine Hypothese aufgestellt, dass das die Überreste eines sakralen oder weltlichen Steingebäudes sein können.
In der zweiten Hälfte oder am Ende des 13. Jahrhunderts hat die alte, schon zwei Jahrhunderte funktionierte Festung eine „Modernisierung“ verlangt. Die Einwohner von Militsch haben auf solche Weise den Burgwall umgebaut, dass der Wall aus dem 10. Jahrhundert teilweise abgetragen worden war und darauf die Wohn- und Wirtschaftsbebaung errichtet wurde. Mit dem neuen Wall war ein groesseres Gebiet umgeben geworden, demgemäß wurde die Fläche des Verteitigungsobjektes vergroessert.
Der andere, unlösbar mit der mittelalterlichen Geschichte Militsch verbundene Denkmal ist das am linken Baritsch Ufer situierte Schloss des Bischofs. Seine Entstehungszeit lässt sich für das Ende des 13. Jahrhunderts datieren, und besonders im Jahre 1290, als Bischof Thomas II für die Wroclawer Kirche die volle Befreiung von den dem Herzog zu Gunsten geleisteten Servituten, Tributen und Gerichtsgebühren erreicht hat. Demgemäß hat die Macht in Militsch der Kastellan des Domkapitels übernommen.
Dank den von Dr. Ma³gorzata Chorowska (Institut für Geschichte der Architektur, Kunst und Technik der Technischen Universität in Wroc³aw) in Jahren 1996-1998 durchgeführten Verifikationsforschungen konnte man einige Entwicklungsphasen der Bebauung des Schlosses absondern. In seiner 500 jährigen Geschichte wurde dieses Objekt (vom Ende des 18. Jahrhunderts ist er zerfallen) mehrmals umgebaut, wovon zahlreiche Spuren im Bereich der Mauren geblieben sind.
Das gemauerte, mittelalterliche Bischofschloss hat dank ihrer Größe nicht nur die hölzerne Architektur der Lokationsbebauung überragt, sondern war er auch das wichtigste Objekt des Baritsch Tales. Die monumentale Residenz hat eine Manifestationsform des Sieges der Bischofsmacht in der Militzer Kastellanei dargestellt, die demgemäß zur Kirchenkastellanei geworden ist. Nur die einzelnen Kenner der Architekturgeschichte und der mittelalterlichen Kultur können in den Militzer Ruinen die alte Pracht des Bischofschlosses oder des späteren herzoglichen Schlosses finden. Das war ein stattliches aus Stein und Ziegel gebautes Gebäude. Es wurde auf dem Rechtecksplan errichtet und hatte die Strebepfeiler in den südlichen und nördlichen Teilen. Die niedrigste, teilweise in der Bettung vertiefte, Stufe wurde aus Stein gebaut, die übrigen zwei Stockwerke aus Ziegel unter Anwendung von dem gotischen Baustil. Die Länge des Schlosses hat auf der Achse Nord-Süd 32-33 meter betragen und die Breite 14,25 Meter. Die Residenz hat sich aus dem südlichen, wohn-wirtschaftlichen Teil und dem nördlichen, wo der grösse Repräsentationsraum - die Aula in der Groesse 14,25 x 11 Meter sich befunden hat, bestanden. Am Anfang des 14. Jahrhunderts wurde das Schloss dank dem Ausbau des nördlichen Teiles durch das nächste Glied vergrößert.
Den hohen Rang des ganzen Zentrums im Mittelalter bezeugt die Tatsache, dass Militsch von dem böhmischen König, Johannes von Luxemburg belagert und erobert wurde. Der mittelalterliche Skribent hat damals den im Grenzgebiet Schlesiens und Grosspolens, im Baritsch Flussgebiet gelegenen Ort mit den Worten Milich clavis Regni Poloniae (Militsch, Schlüssel des Polnischen Königtums) bezeichnet. Die Einziehung der Bischofsresidenz von dem König hatte zur Folge dass, der Machthaber von dem Wroclawer Bischof Nanker mit dem Bann belegt wurde. Nachdem das Schloss samt der Stadt dem Herzog Konrad Ole¶nicki im Jahre 1358 verkauft worden war, wurde das Objekt umgebaut. Man hatte damals den nördlichen Teil des Schlosses auseinandergenommen, dank dem der Schlosshof entstanden hat. Das ganze Gebäude wurde wahrscheinlich auf dem älteren hölzernen Wall errichtet. Im östlichen Teil hat der Herzog das Einfahrtstor bauen lassen. Am Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Schloss von dem Kurzbachgeschlecht übernommen, was seine mittelalterliche Geschichte endet.

Bearbeitet auf der Grundlage von den Ergebnissen der im Jahren 2003-2006 geführten archäologischen Forschungen und der Publikation von M. Chorowska, A. Kud³a, Architektura i historia ¶redniowiecznego zamku w Miliczu [Architektur und Geschichte des mittelalterlichen Schlosses in Militsch], [in:] Nie tylko zamki [Nicht nur die Schlosse], Wroc³aw 2005, S. 83-96.

 

Burgwall
 

 

Konstruktion der Verteidigungswallen


 
 




Stein Konstruktion



   






Schloss





 

PLAN.PL